Welpe vs. Tierschutzhund – Adoptieren statt kaufen Teil 2

Jacko ist bei uns! Und das inzwischen schon seit fast 5 Wochen – uns unser Leben steht Kopf. 🙂

Nach 5 Wochen kann man doch schon auf einige Erlebnisse zurück blicken. Und weiterhin stellt sich die Frage „Adoptieren oder kaufen?“. Ich lasse Euch einen Blick auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede werfen, muss aber dazu sagen, dass ich bisher keinen Welpen gekauft habe.

Ankunft von Jacko

Wir haben Jacko vor 5 Wochen an einem Sonntag in der Nähe von Frankfurt abgeholt. Erst auf dem Weg dahin in den Kasseler Bergen haben wir uns gefragt, ob die Aktion nicht ein bisschen verrückt ist – immerhin sind es 600 KM pro Strecke. Hätte es nicht auch ein Hund aus dem Tierheim in der Umgebung getan? Doch bei Jackos Profil im Internet war es für uns Liebe auf den ersten Blick. Erst dann fiel uns auf, dass er noch in der Slowakei sitzt.

In Frankfurt standen wir nun zur verabredeten Zeit auf dem Hundeschutzhof – und der Transporter aus der Slowakei war noch nicht da. So konnten wir zwar unsere Neugier noch nicht befriedigen, hatten aber noch gute 20 Minuten Zeit, uns mit den ehrenamtlichen Tierschutzmitarbeitern zu unterhalten. Und dann war der Moment da. Der Transporter fuhr auf den Hof und nach und nach kamen 9 Hunde in den Saal gelaufen. Doch unser Hund fehlte. Jacko musste reingetragen werden – er hatte Angst vor den Fliesen, diesen Untergrund kannte er nicht. Der erste Schreck, denn mit einem so ängstlichen Hund hatten wir nicht gerechnet. Dass uns das später noch zum Verhängnis werden sollte, wussten wir da noch nicht.

Nach einem kurzen Kennenlernen sind wir dann schon mit ihm losgelaufen, nach 10 Stunden Fahrt musste er sich auch mal erleichtern und alles klappte super. Für uns stand fest: den nehmen wir mit. Dabei hätten wir fast noch eine kleine weiße Mischlingshündin eingepackt, die einfach zu süß war, um sie da zu lassen – aber zwei Hunde auf einmal sind dann doch zuviel. 😉

Nachdem wir den Schutzvertrag unterschrieben und die Schutzgebühr bezahlt hatten, hüpfte Lenny mit Jacko auf die Rückbank, während ich uns in Richtung Heimat fuhr. Dabei war Jacko erstaunlich entspannt und ging die ganze Zeit auf Kuschelkurs. Auch nach unserem Pausen zwischendurch sprang er freiwillig wieder ins Auto.

Der zweite kleine Schreck folgte dann nachts um halb eins als wir endlich Zuhause angekommen waren. Denn: wir haben Fliesen in unserem Haus. Eine Weile lang haben wir es mit gut zureden und Leckerchen versucht, irgendwann haben wir ihn dann aber doch reingetragen. Keine Angst, heute sitzt er da nicht mehr, denn nach einer ersten Schockstarre seinerseits läuft er dann plötzlich als wäre nichts gewesen.

Unterschiede zum Welpenkauf:

Ich sehe hier noch gar nicht so große Unterschiede zum Welpenkauf, denn auch manche Welpenkäufer fahren quer durch die Republik und über Landesgrenzen, um ihren Welpen abzuholen. Meist ist ein Welpe allerdings wesentlich teurer, zumindest, wenn er von einem anständigen Züchter kommt. Einen Tierschutzhund bekommt man meist geimpft, gechippt und entwurmt, aber vor allem auch kastriert. Das ist eine Tierschutzauflage. Auch Jacko wurde in einem Alter von noch nicht einmal 9 Monaten kastriert – aus meiner Tierheilpraktiker-Sicht gar nicht schön. Aber das ist ein anderes Thema.

1. Spaziergang mit Jacko

Die erste Nacht mit Jacko

Wir haben in der ersten Nacht unser Lager im Wohnzimmer aufgeschlagen, da wir Jacko einen Platz im Flur zugewiesen haben (1. Fehler – dazu komme ich später). Wir sind nachts noch einmal raus, aber Jacko hat das wenig interressiert und schon ab der nächsten Nacht hat er durchgeschlafen – und wir zum Glück auch. Stubenreinheit war von Anfang an kein Problem. Das kann man bei Tierschutzhunden vor allem aus dem Ausland nicht erwarten, aber wir hatten Glück.

Unterschiede zum Welpenkauf:

Hier müssen frisch gebackene Welpenhalter sicherlich öfter mal aufstehen. Doch das kann einem auch bei einem Tierschutzhund passieren.

Erziehung eines Tierschutzhundes

Jacko stellt uns in vielen Dingen selbst auf die Probe, vor allem was die innere Ruhe und Geduld angeht. Wir wissen nicht, was er durchgemacht hat. Er kam mit 9 Monaten zu uns und konnte weniger als ein Welpe. Denn Welpen lernen immerhin ein Sozialverhalten, lernen Menschen kennen und ihren Rang in der Hundemeute. Manche Welpenzüchter üben auch schon ein wenig und spielen viel. Jacko konnte wirklich nichts. NICHTS. Er kannte seinen Namen nicht, im Pass stand Jack, im Tierschutz wurde er als Jacko vermittelt und den Namen haben wir behalten. Trotzdem keine Reaktion. Dazu war er anfangs sehr mäkelig mit Futter und auch mit Leckerchen. Er hat sie einfach wieder ausgespuckt. Doch wie will man Clickern (das hatten wir uns vorab vorgenommen), wenn der Hund keine Leckerchen mag? Unsere Rettung: Papas gute Bioland Geflügelwurst, von der noch ein Glas im Keller stand. Der Hund tut für Würstchen alles – und zack: wurde es auch mit den ersten Erziehungsschritten. Das „Sitz“ klappte nach nicht einmal 10 Minuten, „Platz“ dauerte einen Moment länger. Also haben wir doch einen schlauen Hund -. wir brauchten nur das richtige Lockmittel.

Dazu haben wir schon nach einer Woche die Welpengruppe besucht, die Kleinen waren ja fast noch weiter als er. Das fordert ihn bis heute und macht uns viel Spaß.

Doch so ein Hund aus dem Tierschutz bringt Verlustängste mit und mit den Tagen, die Jacko hier bei uns war, änderte sich auch sein Verhalten. Ich konnte plötzlich keinen Schritt mehr alleine machen, er kam und klammerte sich mit beiden Pfoten an meinen Beinen fest und zwickte mich in Beine und Füße, wenn ich einfach weiterging. Jacko darf mit ins Büro, doch er zog jedesmal ein riesiges Theater mit Geschrei und Geheul ab, wenn ich kurz den Raum verließ. Kurzum: Wir brauchten doch noch mehr Unterstützung als wir gedacht haben.

Eine Einzelstunde in der Hundeschule gab die passenden Hinweise. Jacko schlief bis dahin im Flur alleine, während wir im Schlafzimmer geschlafen haben. Er fühlte sich also als Bewacher und gleichtzeig Chef des Rudels. Dies vor allem mir gegenüber, denn bei Lenny zeigt er seine Dominanz nicht so deutlich. Damit meinte er, wäre es auch sein gutes Recht, mich stets zu bewachen, mich zu begleiten und ein riesiges Theater zu veranstalten, wenn ich weggehe und er mich nicht kontrollieren kann. Schlaue Tipps haben wir bekommen und nun ist es seit einer Woche schon wesentlich entspannter. Ich kann Räume verlassen und sogar Türen schließen, ohne dass es Gejaule gibt.

Unterschiede zum Welpenkauf

Jeder Hund hat seine eigene Geschichte. Doch wenn Sie einen Welpen von einen seriösen Züchter kaufen, hat der bis dato nichts Schlechtes erlebt. Sie lernen schnell und mit Freude. Er wird ihnen gegenüber offen sein und sich nicht mit solchen Verlustängsten und Dominanzverhalten präsentieren, wenn Sie nicht gleich alles falsch machen, so wie wir zu Beginn. Doch wenn sich das legt, haben Sie auch in einem Tierschutzhund einen tollen Begleiter und echten Freund.

Fazit

Wir haben mit Jacko riesig viel Spaß. Es lohnt sich, Mühe und Durchsetzungsvermögen mit Konsequenz und Liebe durchzuhalten, denn Erfolge werden schnell sichtbar. Klar kann man sich einen gut behüteten Welpen kaufen und für jemanden, der züchten möchte, ist es die einzige Möglichkeit. Doch wer einem Tierschutzhund ein neues Zuhause und damit ein neues Leben schenkt, hat auch einen Freund fürs Leben dazugewonnen. Wir haben mit Jacko definitiv die richtige Entscheidung getroffen. Es war Liebe auf den ersten Blick und hat sich zum Glück bestätigt. Unser kleines aufgewecktes Kerlchen hat alle in unserem Freundes- und Familienkreis um den Finger gewickelt und es gibt schon Kämpfe, wer in mal nehmen darf, wenn wir im Urlaub sind – als ob wir ohne unseren Hund in den Urlaub fahren würden! 🙂

 

Hier geht´s zu Adoptieren statt kaufen Teil 1!