Wann ist ein Pferd zu dick?

Überlegt man sich, wie der ursprüngliche Lebensraum eines Pferdes aussieht, wird schnell klar, wieso so viele Pferde heute zu dick sind.

Pferde sind Steppentiere und ernähren sich normalerweise von dem dort wachsenden, kargen Gras. Ca. 16 Stunden am Tag grasen sie um eine ausreichende Menge Futter aufzunehmen. Während des Fressens bewegen sie sich die ganze Zeit im Schritt vorwärts und legen dabei mindestens 20 km und mehr am Tag zurück.

Ein zu dickes Pferd auf der Koppel
Ein zu dickes Pferd auf der Koppel

Zu energiehaltiges Futter und zu wenig Bewegung führen zu Übergewicht

Die Lebensbedingungen unserer Hauspferde unterscheiden sich gravierend von denen ihrer wilden Vorfahren, aber der Körper des Pferdes funktioniert immer noch genauso wie früher und auch die Grundbedürfnisse haben sich nicht geändert. Trotzdem werden leider viele Pferde überwiegend in Boxen gehalten, in denen keine Bewegung möglich ist. Die heutigen Pferdeweiden haben einen sehr üppigen Bewuchs, der wenig mit Steppengras zu tun hat. Hier können die Pferde zwar ihrem Grundbedürfnis, sich im Schritt beim Fressen vorwärts zu bewegen, nachkommen, aber die Strecken sind wesentlich kürzer, da der Bewuchs viel dichter ist. Das Gras ist gehaltvoller als in der Steppe, doch die Pferde nehmen die gleiche Menge auf, weshalb sie dann dicker werden.
Außerdem ist der sättigende Rohfaseranteil wesentlich niedriger als beim kargen Steppengras, wodurch die Pferde hungrig bleiben obwohl sie bereits mehr Energie aufgenommen haben als sie brauchen. Ein weiterer Faktor für Übergewicht bei Pferden ist die Gabe von energiehaltigem Kraftfutter. Nur Pferde die mehr als 5 Stunden pro Woche intensiv gearbeitet werden, brauchen zusätzliche Energie in Form von Hafer, Müsli o.ä. Bei leichtfuttrigen Ponys kann bereits ein Überangebot an Heu zu Übergewicht führen. Nun sind ein paar Kilos zu viel nicht schlimm, aber andauerndes Übergewicht kann, wie beim Menschen auch, zu Wohlstandkrankheiten führen, weshalb die überschüssigen Pfunde so schnell wie möglich wieder abgebaut werden sollten.

Übergewicht beim Pferd erkennen

Um das absolute Gewicht eines Pferdes zu ermitteln gibt es verschieden Möglichkeiten, z.B. gibt es spezielle Maßbänder mit denen man den Rumpfumfang des Pferdes misst und auf einer Skala dann das geschätzte Gewicht abliest. Wer nur ein „normales“ Maßband hat, kann folgende Formel zur Hilfe nehmen:  Pferdegewicht in kg = Brustumfang in der Sattellage bei Beginn des Widerristes (cm)² x Körperlänge von Buggelenk bis Sitzbeinhöcker (cm) : 11.900.

Wer es ganz genau wissen möchte, kann eine mobile Pferdewaage in den Stall kommen lassen, dann hat man das Gewicht seines Pferdes auf das Kilogramm genau. Medikamente und Wurmkuren können mit dem Wissen über das Gewicht genau dosiert werden, aber ob ein Pferd nun zu dick oder zu dünn ist, sagt das absolute Gewicht nicht aus. Dafür muss man das Pferd genau betrachten und befühlen. Hat das Pferd Normalgewicht sollten die Rippen leicht sichtbar sein oder aber mit der Hand bei leichtem Druck tastbar sein. Gleiches gilt für die Beckenknochen, diese sollten fühlbar sein und nicht unter einer Fettschicht verschwinden. Auf dem Rücken des Pferdes sollten die Dornfortsätze der Wirbel ebenfalls fühlbar sein. Das Pferd ist zu dick, wenn die Wirbel nicht tastbar sind und der Rücken eher die Form einer breiten Fläche aufweist. Hat ein Pferd Übergewicht entstehen auch häufig Fettansammlungen am Mähnenkamm und am Schweifansatz.

Bei manchen Pferden gibt es aber auch rassetypische Merkmale, wie bei den Kaltblutpferden die gespaltene Kruppe oder bei Hengsten der mächtige Hals, die nicht unbedingt ein Faktor für Übergewicht sind.

Wohlstandskrankheiten auch bei Pferden

Jahreszeitliche Schwankungen des Gewichts sind bei Pferden normal und akzeptabel. Hat ein Pferd jedoch ständig Übergewicht kann es krank werden. Nicht nur das die Gelenke dauerhaft überlastet werden und dadurch oft vorzeitig verschleißen, auch der Stoffwechsel kann entgleisen, was weitere schwerwiegende Krankheiten nach sich zieht.

Equines Metabolisches Syndrom

Ausgelöst durch zu wenig Bewegung und zu energiehaltiges Futter kommt es zur Störung des Energie- und Zuckerstoffwechsels. Es entsteht das sogenannte Equine Metabolische Syndrom, kurz EMS. Neben einer Insulinresistenz und einem erhöhten Blutzuckerspiegel bildet das Pferd an manchen Körperstellen (z.B. Schulter, Hals und /oder Kruppe) Fettdepots. Eine chronische Hufrehe kann die Folge dieser Stoffwechselerkrankung sein.

Hufrehe

Durch abrupte Futterumstellung oder kurzfristige Fütterungsentgleisung entsteht die akute Hufrehe. Die schleichende, chronische Rehe entsteht wie oben beschrieben durch Stoffwechselerkrankungen die durch andauernde Fütterungsfehler entstehen.

Leber- und Nierenerkrankungen

Ein ständiges Überangebot an Proteinen belastet die Leber und kann Erkrankungen auslösen, denn die Leber ist zuständig für den Abbau überschüssiger Proteine. Bei einer Überlastung zeigt sich dieses in erhöhten Leberwerten. Doch auch die Nieren werden überlastet, daher ist es wichtig, das Pferd nicht zu proteinreich zu füttern.

Diät fürs Pferd

Wir kennen es von uns selbst, jede Diät ist nur so gut wie das dazugehörige Sportprogramm. Das Pferd muss also mehr Bewegung bekommen. Dabei sollten aber Länge und Intensität langsam gesteigert werden. Die Futterration muss genau unter die Lupe genommen werden, wichtig ist viel rohfaserreiches Futter. Kraftfutter wird erst benötigt, wenn der Energiebedarf über dem Erhaltungsbedarf liegt, also wenn das Pferd mehr als 5 Stunden pro Wochen intensiv gearbeitet wird.

Die Futterration muss unbedingt langsam reduziert werden, denn radikale Diäten gefährden ebenfalls den Stoffwechsel. Es kann dann zu einer Hyperlipämie kommen, eine Fettstoffwechselstörung. Gefährdet sind vor allem dicke Ponys und Esel aber auch Großpferde können betroffen sein. Bei einer über mehrere Tage andauernden negativen Energiebilanz mobilisiert der Körper Fettreserven, welche die Leber jedoch nicht komplett verarbeiten kann, das Fett kommt ins Blut. Kommt es einmal zur Hyperlipämie ist die Prognose leider sehr schlecht, da es zur fettigen Degeneration der Leber und anderer Organe, wie z.B. dem Herzen, kommt. Am Ende versagt oft die Leber, das Pferd hat sich durch sein eigenes Fett vergiftet.

Also zu dicke Pferde auf jeden Fall abspecken, aber die Ration langsam runter fahren. Dem Pferd muss viel sättigende Rohfaser angeboten werden, das heißt in erster Linie Heu. Auch in der Heuqualität gibt es Unterschiede, je nach dem wann das Gras dafür gemäht wurde. Je später der Schnitt erfolgt, desto mehr Rohfaser hat das Heu später und desto weniger Energie. Ergänzend zum Heu sollte auch hochwertiges Stroh angeboten werden, das fressen viele Pferde auch sehr gerne und es hat noch mehr Rohfaser und noch weniger Energie. Man rechnet pro 100 kg Körpergewicht 1,0 kg bis 1,5 kg Raufutter für ein Pferd am Tag. Lange Fresspausen sollten dabei vermieden werden, denn die schlagen wiederum auf den Magen und können Magenprobleme wie Magenschleimhautreizungen bis hin zu Magengeschwüre beim Pferd auslösen. Durch Heunetze kann man die Fresszeiten verlängern, ohne dass die Pferde dabei mehr Raufutter aufnehmen. Ein anderer Dickmacher ist die Wiese. Der Weidegang sollte für übergewichtige Pferde begrenzt werden, es sei denn man hat eine steppenähnliche Wiese.

Die Leber entlasten

Während das Pferd auf Diät ist und seine Fettspeicher auflöst, hat die Leber Schwerstarbeit zu leisten. In dieser Zeit ist es wichtig die Leber zu unterstützen bzw. zu entlasten. Durch eine Entgiftung mit Kristallkraft No.1 oder Kristallkraft No.2 werden Giftstoffe bereits im Darm gebunden und ausgeschieden, Leber und Nieren werden dadurch entlastet.

Hat das ehemals übergewichtige Pferd wieder Normalgewicht und wird weiter bedarfsgerecht gefüttert und ausreichend bewegt, verschwinden die meisten Wohlstandskrankheiten wieder. Der Weg dahin ist manchmal lang und beschwerlich, aber zu Wohle der Pferdegesundheit lohnt sich das Durchhalten.

Dies ist ein Gastartikel von Stefanie Schünhoff.